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Demis Hassabis spricht über die Zukunft von AI


Ein nettes Interview mit Demis Hassabis, welches Jim Al-Khalili durchgeführt hat, hat BBC publiziert. Demis Hassabis spricht dort über seine Kindheit und sein Weg zu AI. Demis Hassabis ist einer der wichtigsten players im AI-Sektor. Er ist einer der Gründer von Deepmind, welches dann an Google verkauft wurde. Deep Mind ist ein führendes Unternehmen im Bereich Deep Learning. AlphaGo, eine von Deepmind entwickelte AI, schlug 2016 den Weltmeister im GO Lee Sedol. Die nachfolgende Entwicklung von Deepmind, AlphaZero, ist eine der ersten generischen AI für Brettspiele. AlphaZero kann ein neues Spiel erlernen, indem es nur einige Stunden mit sich selbst spielt. 

Demis Hassabis meint, dass AI (wie jede andere Technologie auch) von sich aus neutral für die Gesellschaft ist. Alles hängt davon ab, wie wird sie angewendet. Demis Hassabis will mit seinen Entwicklungen im Umfeld AI das menschliche Potential erweitern. Er glaubt, dass in naher Zukunft, AI die Menschen in der Analyse riesiger Datenbestände und komplexer Aufgaben unterstützen wird. Jetzt beschäftigt er sich mit dem Einsatz von AI in der wissenschaftlichen Forschung. 

Auto der Zukunft wird nach dem Prinzip "More from Less" gebaut


Ein wirklich schönes Konzept des Ressourcen-schonenden Autos hat Mercedes präsentiert bei CES 2020. Mercedes will im Jahr 2039 Autos herstellen, die vollständig Ressourcen-neutral sind. Dieses Ziel liegt noch recht weit in der Zukunft. So gesehen ist es eher eine Vision. Mercedes machte aber diese Vision viel konkreter mit den klar definierten Zwischenzielen, bei denen eine konkrete Reduktion bis auf 40% geplant ist. Das macht diese großartige Vision recht realistisch.

Die Idee dahinten ist, dass das Auto der Zukunft nicht nur bei der Nutzung CO2-neutral ist. Auch bei der Herstellung des Autos sollen so gut wie keine Ressourcen verbraucht werden. Mercedes will die Menge von Wasser und allen anderen Materialen, die für Erzeugung eines Autos notwendig sind, dramatisch reduzieren. Dazu werden neue Herstellungsmethoden aber auch Rohstoffe benötigt. Grundsteine dieser Idee sind drei "R" - Reduce, Recycle, Reuse. Das Unternehmen wird mit neunen Produktionsmethoden die Menge, der für die Herstellung eines Autos benötigten Rohstoffe reduzieren - Reduce. Gleichzeitig sollte das Auto so gebaut werden, dass einzelne Bauteile wieder für neue Autos oder für andere Zwecke benutzt werden können - Reuse. Das was dann übrig bleibt sollte leicht entsorgbar sein. Der aus Schweden stammende CEO von Mercedes erwähnt hier sogar gänzlich neuartige Batterien, die aus organischen Stoffen hergestellt werden. Diese Batterien können dann einfach kompostiert werden - Recycle

Es ist eine absolut tolle Idee, die leider durch die Präsentation des futuristischen Avatar-Autos kaum Aufmerksamkeit bekam. Ich halte sie jedoch als wichtiger Beitrag für die Lösung vieler unserer derzeitigen Probleme. Eine Technologie, die ermöglicht, mehr zu produzieren und das mit weniger Ressourcen, wird die Umwelt weniger belasten und womöglich uns auch helfen, die Klima-Katastrophe abzuwenden.  

Über solche Technologien wird derzeit nicht nur bei Mercedes nachgedacht. In vielen Fällen gibt es schon heute sparsame Technologien. Andrew McAfee, Co-Autor des Buches "The Second Machine Age" beschreibt diese Entwicklung in seinem neuen Buch "More from less". Andrew McAfee zeigt den enormen Einfluss, welchen Technologie auf unseren Leben in letzten 200 Jahre gehabt hat. Dank dem technologischen Fortschritt hat die Menschheit viele Krankheiten, Armut und andere Probleme aus der Vergangenheit beseitigt. Technologie hat einen nie dagewesenen Wohlstand für so viele geschaffen. Die Schattenseite dieser Entwicklung war der starke Verbrauch der Naturressourcen und negative Auswirkung auf Umwelt und Klima. Damit ist jetzt Schluss, behauptet Andrew McAfee. In letzten Jahren kann die westliche Wirtschaft mehr produzieren und dabei weniger verbrauchen als früher:

"In recent years we’ve seen a different pattern emerge: the pattern of more from less. In America—a large, rich country that accounts for about 25 percent of the global economy—we’re now generally using less of most resources year after year, even as our economy and population continue to grow. What’s more, we’re also polluting the air and water less, emitting fewer greenhouse gases, and seeing population increases in many animals that had almost vanished. America, in short, is post-peak in its exploitation of the earth. The situation is similar in many other rich countries, and even developing countries such as China are now taking better care of the planet in important ways."

Neben Fortschritt in der Technologie sind Kapitalismus (produziere immer mehr zu geringeren Kosten), öffentliches Bewusstsein und reaktionsfähige Regierungen die 4 Grundlagen dieser positiven Entwicklung. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Fähigkeit mehr zu produzieren und weniger Ressourcen zu verbrauchen hilft, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Das allein ist aber zu wenig, um grundlegende Herausforderungen wie Klima-Katastrophe zu meistern. 

Künstliche Intelligenz schafft mehr Jobs als sie vernichtet


Noch eine optimistische Stimme über unsere Zukunft. Byron Reese, der das Buch "Infinite Progress" geschrieben hat, behauptet, dass die Künstliche Intelligenz mehr Jobs generieren wird als sie vernichtet. Seine These ­­stützt Byron Reese auf der Analyse der bisherigen Geschichte der Technologie. Neue Technologien haben zwar immer viele alte Jobs obsolet gemacht. Sie haben aber gleichzeitig viele neue Jobs kreiert. Wir können uns gar nicht in voraus vorstellen, welche neue Möglichkeiten neue Technologien schaffen. Erst danach sehen wir, welch enorme positive Wirkung für uns alle diese neuen Technologien hatten und wie viele neue Unternehmen und Jobs dank der neuen Technologie entstanden sind. Die neuesten Entwicklungen, wie z.B. Internet beweisen es:
           
„The obvious changes did occur. But a slew of unexpected changes happened as well. We got thousands of new companies worth trillions of dollars. We bettered the lot of virtually everyone on the planet touched by the technology. Dozens of new careers emerged, from web designer to data scientist to online marketer. The cost of starting a business with worldwide reach plummeted, and the cost of communicating with customers and leads went to nearly zero. Vast storehouses of information were made freely available and used by entrepreneurs around the globe to build new kinds of businesses.“

Byron Reese erwartet also, dass Künstliche Intelligenz eine ähnliche Auswirkung haben wird. Etliche Jobs werden durch Automatisierung nicht mehr benötigt. Gleichzeitig schafft AI ganz neue Möglichkeiten, Geschäfte zu machen. Die menschliche Mitwirkung wird nach wie vor wichtig und eine Fülle an neuen Jobs wird entstehen. 

Ich kann mich durchaus vorstellen, dass die von Byron Reese vorgestellten Szenarien sich auch bewahrheiten. Leider beschäftigt er sich nicht mit dem Tempo der Veränderungen. Menschen sind fähig, sich an neue Situation anzupassen, wenn die Veränderung relativ langsam stattfindet. Wir erwarten aber mit AI eine Beschleunigung der Veränderung. Die entscheidende Frage ist, ob alle ausreichend schnell sich dann umstellen werden können.

Die beste Dekade in der Geschichte der Menscheit

Es gibt sie noch, die Optimisten. Es gibt noch Wissenschaftler, Journalisten und Technikenthusiasten, die trotz der weit-verbreiteter Meinung, dass alles zunehmend schlechter wird, nicht aufhören wollen zu behaupten, dass die Welt stetig besser wird.

Manche von Ihnen arbeiten sehr stark mit Statistiken und zeigen damit wie alle Aspekte unseres Lebens sich kontinuierlich verbessern. Steven Pinker zeigt in seinem Buch „Aufklärung“ wie die Wissenschaft und Säkularisierung zu der wichtigsten Kraft der positiven Veränderung wurde. 

Noch stärker in den Statistiken verliebt war Hans Rosling. In seinem Buch „Facfullness“ zeigte er anhand von sehr vielen Statistiken wie sich unseres Leben in letzten hundert Jahren verbessert hat. Alle möglichen Statistiken über Lebensdauer, Armut, Bildung, Bekämpfung der Krankheiten, Gewalt usw. zeigen, dass wir in einer der besten Zeitperioden der Menschengeschichte leben.

Peter Diamandis kennt natürlich den Grund dieser positiven Entwicklung. Es ist die Technologie wie man in seinen Blog-Beiträgen nachlesen kann. Enormer Fortschritt der Technologie ermöglicht die Lösung sehr vielen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Ein Nebeneffekt dieser Entwicklung ist die massive Verbilligung der Produktion. 

Matt Ridley, der Verfasser des Buches „The Rational Optimist“, ist der Meinung, dass die zweite Dekade dieses Jahrhunderts die Beste in der Geschichte der Menschheit ist. In seinem Blog schreibt Matt Ridley, dass der Lebensstandard der meisten Menschen sich stark verbessert hat, dass immer weniger Menschen im Armut leben und hungrig sind. Viele der bis vor kurzem gefährlichen Krankheiten wurden ausgerottet. 

Noch interessanter ist der Trend zur Reduktion der Menge der Stoffe, die für die Erzeugung der Produkte benutzt werden. Trotz der Steigerung der Produktion werden erstes Mal in der Geschichte weniger Materialen wie Wasser, Rohstoffe und sogar Energie dafür benötigt. Matt nennt diesen Trend „Do more with less“. 

Die Optimisten sind der Meinung, dass diese viele Fakten eindeutig belegen, dass die Menschheit in der Lage ist, mit Hilfe der Technologie viele Herausforderungen zu meistern und eine bessere Welt für alle zu schaffen. 

Man könnte fragen, warum angesichts dieser Fakten unsere tägliche Wahrnehmung eher negativ ist. Warum sehen wir eher mehr Probleme als weniger und warum sehr viele von uns glauben, dass die Welt in der Vergangenheit eine bessere war? Schuld daran ist erstens unsere Konzentration auf die Gefahren. Menschen sind konditioniert, Gefahren und Bedrohungen stark zu beachten. Die guten Errungenschaften nehmen wir als selbstverständlich nicht explizit wahr. Zweiter Grund dieser schiefen negativen Wahrnehmung sind die Medien. Medien funktionieren leider nach dem Motto „Good news is no news“ und berichten nur über negative Vorkommnisse und alle möglichen Bedrohungen. 

Das führt natürlich zu einer verzerrten, unrealistischen Sicht der Entwicklung. Man muss froh sein, dass es noch etliche Optimisten gibt, die uns eine positivere, fakten-basierende Sicht der Lage präsentieren und uns vor dem Verfall in bodenlose Traurigkeit bewahren.

Vertical Farming


Peter Diamandis, einer der Gründer von Singularity University und Author des Buches „Abundance: The future is better than you think“, ist ein unverbesserlicher Optimist. In einer Zeit der schlechten oder sogar katastrophalen Nachrichten ist seine Glaube an eine bessere Zukunft eine seltene Ausnahme. Peter glaubt stark an den technologischen Fortschritt und sieht darin die baldige Lösung unserer Probleme. Dort wo viele Menschen die Gefahren der neuen Technologien sehen, sieht Peter die Chancen.

Tatsächlich beschreibt er regelmäßig viele Start-ups, die unglaubliche Technologien und Lösungen entwickeln, welche hoffentlich eines Tages einen Teil der aktuellen Probleme lösen werden. Peter Diamandis glaubt hier an die Macht der Kreativität und Moore’s Law, die besagt, dass die technologische Entwicklung sich exponentiell beschleunigt und der Preisverfall ist auch exponentiell.
Peter Diamandis schreibt aktuell in seinem Blog ( https://singularityhub.com/…/the-technologies-changing-how…/ ) über Vertikal Farming und sieht darin die Zukunft der Landwirtschaft. Firmen, die er beschreibt, produzieren ein vielfaches dessen, was die moderne Landwirtschaft schafft. Dabei verbrauchen sie nur ein Bruchteil der Ressourcen (Energie, Wasser, …) dafür. Es klingt also sehr vielversprechend.
Eine zweite, sehr vielversprechende Technologie ist Print Food mittels speziellen 3D-Drucker. Etliche Unternehmen haben schon begonnen aus der Mischung von pflanzlichen Proteinen Fleisch zu „drucken“. Wenn diese Technologie sich bestätigt und tatsächlich so gut funktionieren würde, dann würde sie uns helfen, die klassische Viehzucht und Fleischproduktion zu reduzieren. Das wiederum würde sich extrem positiv auf Klima auswirken. Und was noch wichtiger ist, das würde auch den unglaublichen Leid der für Fleisch gezüchteten Tiere reduzieren.
Peter Diamandis lobt 3D Printing Technologie ( https://singularityhub.com/…/3d-printing-everything-ultra-…/ ) nicht nur im Bezug auf Print Food. Er sieht darin die Kraft, die unsere Produktionsstätte und Methoden dramatisch verändern wird. 3D Printing Produktion reduziert massiv den Transport und den Produktionsabfall. Nach dem 3D Printing Hype vor einigen Jahren hat man zuletzt weniger darüber gehört. Ich nahm an, es war wieder eines von diesen technologischen Hypes, die viel versprachen aber nicht liefern konnten. Peter Diamandis zeigt aber, dass ohne große mediale Aufmerksamkeit die 3D Technologie Fortschritte gemacht hat. Sie ist reifer geworden, man kann für die Herstellung viele unterschiedliche Materialien benutzen. Und ganz wichtig, 3D Printer kosten heute ein Bruchteil dessen, was sie noch vor einigen Jahren gekostet haben.
Ich bin gespannt wohin die weitere Entwicklung uns bringen wird und ob sich die optimistischen Prognosen von Peter Diamandis bestätigen werden.

Silicon Valley, das Tal wo die Zukunft entsteht


Silicon Valley ist ein kleines Tal in der Nähe von San Francisco, in dem sehr viele globale Technologie-Unternehmen ihren Sitz haben. Dort wird ein Start-up nach dem anderen gegründet. Viele dieser Unternehmen bieten sehr schnell ihre Produkte und Services global an. Manche sind echte globale Riesen und beherrschen große Teile der digitalen Wirtschaft. Silicon Valley ist unbestritten die Schmiede der Innovation, dort werden die Technologien der Zukunft konzipiert, kreiert und mit Erfolg weltweit angeboten. Wir alle, Bewohner der digitalen Welt und im zunehmenden Ausmaß auch diejenigen, die noch eher in der realen Welt leben, nutzen sie täglich. Viele von uns können sich ein Leben ohne diese Services und Apps gar nicht vorstellen. In Silicon Valley wird emsig, fast rund um die Uhr, an einer digitalen Zukunft gearbeitet. Wie wird diese Zukunft aussehen? Hier die Antwort von Christoph Keese, einem deutschen Journalisten, der einige Monate dort gelebt und recherchiert hat:

“Im Internet der Zukunft, einem Internet, das jedes Lebewesen, jeden Heizkessel, jeden Fernseher, jedes Marmeladeglas und jedes Auto einbinden wird, in dem sogar der Straßenasphalt eine Art elektronisches Bewusstsein bekommt, in diesem utopischen, aber gar nicht mehr fernen Internet wird alles eins werden: die Menschen, die Dinge, die Sensoren, die Server, die Dateien, die Zustände, die Zeiten, die Möglichkeiten. Alles wird immer online und immer gleichzeitig überall sichtbar sein.”

Was ist aber so besonders an diesem Tal, dass Innovation gerade dort so konzentriert entsteht und die dortigen Firmen so erfolgreich sind? Warum entstehen dort und nicht woanders globale Services und moderne Technologien?
Auf diese und viele weiteren Fragen gibt Christoph Keese ausführliche Antworten in seinem Buch “Silicon Valley”. Dieses Buch gibt tiefe Einblicke in die Funktionsweise von Silicon Valley - dem Tal, in dem unsere Zukunft entsteht. Keese verbrachte dort fast ein Jahr und in dem Buch schildert er, was dieses Tal so anders macht und warum gerade dort Innovation entsteht.

Die Zukunft baut auf Ideen, Talenten und Kapital auf
Für die Entwicklung von innovativen Technologien und “disruptiven” Businessprozessen benötigt man einige Visionäre und viele talentierte Techniker und Ingenieure. Der globale Erfolg der durch diese kreativen Köpfe konzipierten Produkte, Services und Plattformen ist aber nur mit großen Investitionen möglich. Und eben das Alles (kreative Ideen, Talente, Gründer und Wagniskapital) ist in Silicon Valley reichlich vorhanden und wird nahezu perfekt zusammen vermischt.
Die Stanford Universität, einer der besten Universitäten der Welt, bietet unzählige neuartige Ideen und zieht junge, sehr talentierte Menschen aus der ganzen Welt an.

“Unternehmergeist ist auch in Stanford sehr wichtig und wird Studenten beigebracht. Probleme zu erkennen und zu lösen - das ist der Kern jedes Unternehmen. Suche ein reales Problem dann stehst du von einer realen Marktchance. Stelle alle bisherigen Annahmen in Frage dann bist du auf dem richtigen Weg.”

Die Universität bietet sehr viele Gelegenheiten für einen freien, ungezwungenen Austausch der Ideen. Sie sorgt dafür, dass Studenten so viele Möglichkeiten für direkten Kontakt und Gruppenarbeit haben wie nur möglich. Die gleiche Strategie befolgen Start-ups und auch schon erfolgreiche globale Unternehmen. Die Studenten sollen schnell lernen selbst zu denken und neue Lösungsansätze für diverse Herausforderungen generieren. In einem ständigen Diskurs werden diese Ideen kritisch betrachtet und dann verbessert, optimiert oder verworfen. Alles soll ungezwungen und ohne strenge Regeln und Einschränkungen geschehen. Dieser besondere Geist ist extrem wichtig für die Entstehung von Innovation wie es Christoph Keese schreibt:

“Innovation entsteht durch den freien, ungehemmten Austausch von Menschen auf kleinstem Raum. Physische Nähe ist so wichtig wie die Abwesenheit von allzu strengen Regeln. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso wie steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konvention. Vorschriften töten Ideen. Menschen werden kreativ, wenn sie beruflich so arbeiten dürfen, wie sie privat leben. In Silicon Valley ist die persönliche Anwesenheit Pflicht und virtuelle Kommunikation verpönt. Das Tal pflegt einen extremen Kult der Nähe. Das Zentrum der virtuellen Welt hasst nichts mehr als virtuelle Kommunikation.”
“Offenheit gegenüber den anderen, Fremden, Ausländer, anderen Ideen und Kulturen ist im Tal stark ausgeprägt. Aber auch über geplante Produkte und Vorhaben wird während der Realisierung offen mit anderen Gesprochen. Neue Ideen werden kommuniziert, um die Meinung der anderen einzuholen und sie dann zu verbessern. Selbst das Sprechen von den neuen Vorhaben hilft, die Ideen präziser zu formulieren und sie besser zu verstehen.”

Man ist in Silicon Valley überzeugt, dass es für alle Probleme der Welt eine gute technologische Lösung gibt. Technologie ist in Silicon Valley extrem wichtig, fast wie eine Religion, und das Sagen in den meisten Firmen haben die Techniker. Die Gründer sind sehr oft exzellente Techniker. Sie wollen die Welt verändern, sie glauben fest daran, dass sie für eine bessere Welt hart arbeiten.

“Silicon Valley wird von Technikern beherrscht. Leidenschaftliche Ingenieure oder Naturwissenschaftler gehen anders zu Werke als die Betriebswirte. Das Produkt als solches fasziniert sie. Sie wollen optimale Lösungen schaffen. Sie verlieben sich in ein Thema. Sie denken vom Produkt her, nicht vom Finanzergebnis.”

Auf der anderen Seite ist in Silicon Valley viel Risikokapital vorhanden. Die Investoren sind bereit, den talentierten Gründern mit ihren neuartigen Ideen Geld für die Erstellung erster Prototypen zu geben. Bei Aussicht auf Erfolg finanzieren sie auch den Aufbau eines globalen Präsenz. Investoren sind dabei bereit, recht großes Risiko auf sich zu nehmen. Für die Gründer ist es also dort nicht besonders schwierig ans Geld zu kommen. Die Finanzierung der jungen Start-ups ist inzwischen sehr professionell organisiert. Dabei achten die Investoren sehr stark auf die Rechte der Gründer.

“Die Gründer dürfen bei den Finanzierungsrunden ihren prozentualen Anteil behalten, ohne in die Kapitalerhöhung einzuzahlen. Die Investoren sind der Meinung, dass das Interesse der Gründer an dem finanziellen Erfolg der Firma es wert ist. Die Investoren verlangen auch denkbar geringe Mitspracherechte. ”Entweder ist das Team gut, dann braucht es unseren Rat nicht. Oder das Team ist nicht gut, dann sollten wir gar nicht investieren“ sagen Investoren.”


Schattenseite des Erfolgs
Silicon Valley ist unbestritten ein großer Erfolg. Es sind dort sehr viele innovative Unternehmen entstanden, die hervorragende, globale Produkte, Services und Plattformen anbieten. Sie haben viele Probleme dieser Welt durch Einsatz modernster, Daten-basierender Technologien gelöst. Aber ist wirklich alles so toll in Silicon Valley? Kann man wirklich alle Probleme dieser Welt mit Hilfe von Technologie lösen?
Leider nein. Silicon Valley ist eine tolle Gegend für extrem talentierte, junge Leute. Diese Leute schaffen dort zwar ein einmaliges Klima für Innovation und neue Ideen. Es herrscht dort Toleranz und man kann dort gut leben. Aber nur wenn man hoch begabt ist. Die Mittelklasse und sogar die weniger Talentierten werden von Silicon Valley verdrängt. Die Lebenskosten sind dort extrem hoch, die öffentliche Infrastruktur sehr schlecht. Es gibt dort auch sehr wenige Arbeitsplätze für die Mittelklasse. Die innovative Technologie benötigt nicht so viele Arbeitskräfte wie die klassische Industrie. Die Mittelklasse wandert aus dem Tal aus. Die innovativste Technologie der Welt, die den Anspruch erhebt, alle gesellschaftlichen Probleme dieser Welt zu lösen, kann nicht einmal die lokalen Probleme in Silicon Valley lösen. Probleme, die sie selbst verursacht hat.
Wie schaut es dann mit der Lösung der globalen Probleme? Tatsache ist, dass die Unternehmen aus Silicon Valley sehr schnell den Zeitgeist erkannt haben. Sie erkannten die Ankunft der digitalen Revolution. Sie erkannten, dass in Zukunft nur Information einen Wert haben wird.

“Was in Zukunft einen Wert haben wird ist Information. Die Konzerne aus dem Tal werden immer mächtiger und saugen Geld aus der ganzen Welt nach Kalifornien. Es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, bis die deutsche Telekom von Facebook, die deutsche Post von Amazon und Volkswagen von Google übernommen wird. Dann werden auch die Deutschen verstehen, dass Telefone, Pakete und Autos bedeutungslose Vehikel sind und es nur noch auf die Daten ankommt, die sie produzieren.”

Der Gewinner nimmt alles
Die Zukunft wird digital sein. Alles wird durch zentrale Plattformen gesteuert und beherrscht, wo Wissen aus der Unmenge der Daten durch intelligente Algorithmen erzeugt wird. Globale Firmen aus dem Tal erkannten das sehr rasch und begannen an Lösungen für diese neue digitale Zukunft zu arbeiten. Sie “vernichten” mit ihrer “disruptiven” Technologie und Businessprozessen einen klassischen Wirtschaftszweig nach dem anderen. Damit gehen auch die traditionellen Jobs verloren. Wird das digitale Business genügend Arbeitsplätze für alle Leute generieren, die gerade ihren Job verlieren? Kümmern sich die Weltverbesserer aus Silicon Valley überhaupt darum?
Leider nicht. Inzwischen beherrschen einige wenige Firmen aus dem Silicon Valley Monopol-artig das digitale Business. Globale Digitalisierung schafft ein exzellentes Umfeld für die digitalen Monopole - der Gewinner nimmt alles. Wer die meisten Daten hat, der zieht weitere Kunden stark an. Wer die Plattform mit den meisten Kunden hat, der zieht weitere Kunden magisch an und die Konkurrenz hat keine Chance. Die Netzmonopole entstehen viel schneller als in der realen Wirtschaft dank der Globalisierung, riesigen Mengen an Daten und dem Netzeffekt - jeder neue Kunde eines Netzmonopolisten ist von Vorteil für die bestehenden Kunden; für ihn macht es auch Sinn dort zu gehen, wo schon die anderen sind. Die Konkurrenz hat kaum Chancen, den Vorsprung der Platzhirsche einzuholen.

“Grenzenlose Freiheit führt im Netz zum Gegenteil. Freiheit im Internet fördert den Netzwerkeffekt, der Netzwerkeffekt erzeugt Netzmonopole, und Netzmonopole mindern die Freiheit - dieser Wirkungskreislauf dreht sich in rasender Geschwindigkeit.”

Professor Shoshana Zuboff:

“Google ist dabei ein neues Reich zu errichten, dessen Stärke auf einer ganz anderer Art von Macht basiert - allgegenwärtig, verborgen und keiner Rechenschaft pflichtig. Falls das gelingt, wird die Macht dieses Reiches alles übertreffen, was die Welt bisher gesehen hat. Google ist absolutistisch.“

Was kann man dagegen tun? Wie kann man die Bildung der Datenmonopole verhindern?
Eines ist sicher. Dieses Phänomen kann man nicht mit regionalen Gesetzen und Regulierungen in Griff kriegen. Datenmonopole der digitalen Welt sind globale Erscheinungen, die mit nationalen Gesetzen kaum zu bändigen sind. Wir müssen also auch die globalen, regulativen Kontrollen schaffen, mit denen die Macht dieser Datenriesen eingeschränkt wird und Chancen für mehr Wettbewerb entstehen. Zu mindestens müssen diese Kontrollmaßnahmen europäisch sein. Da die Zukunft durch Algorithmen beherrscht wird, müssen eben die Algorithmen kontrolliert werden.

„In Zukunft muss Gerechtigkeit durch die Regulierung und Kontrolle der Algorithmen sichergestellt werden. Das ist die Aufgabe der Gesetzgeber.
Die Regulierung findet meistens innerhalb nationaler Grenzen statt. Die globalen Konzerne werden dadurch nicht erfasst.“

Es ist also höchste Zeit, dass die Regierungen, die für die lokale Wirtschaft schädlichen regulativen Bestimmungen abschaffen und durch die für das digitale Zeitalter adäquate Methoden ersetzen. Es ist auch an der Zeit, zu begreifen, dass die analoge Welt der Vergangenheit gehört. Es ist höchste Zeit sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Und die Zukunft ist digital!

“In Regierungen und Parlament wird über winzige Details der analogen Arbeitswelt gestritten, während der digitale Arbeitsmarkt die Welt verändert.”

Das Buch von Christoph Keese ist nicht nur spannend und sehr gut geschrieben. Es sollte der letzte Weckruf für Europa sein, wenn wir nicht ganz auf die Gestaltung der digitalen Zukunft verzichten und als digitale Peripherie in die Bedeutungslosigkeit versinken wollen.

Trennung der Intelligenz von Bewusstsein


Daniel Kahneman fragt Yuval Harari nach seiner Zukunftsvision. Yuval Harari hat ein exzellentes Buch über die Geschichte der Menschheit, “kurze Geschichte der Menschheit”, geschrieben. Es ist ein ungewöhnliches Buch über Geschichte, in dem fast keine Kriege, keine Dynastien erwähnt werden. Stattdessen schreibt Harari über drei große Revolutionen in unserer Geschichte, die unsere Welt geprägt haben: kognitive, landwirtschaftliche und wissenschaftliche Revolution.
Es ist ungewöhnlich, dass ein Historiker versucht in die Zukunft zu blicken. Harari meint, dass ein gutes historisches Wissen unsere Perspektive erweitert und uns ermöglicht, mehrere potentielle Entwicklungen zu erkennen. Er erwägt nur unterschiedliche Wege, in die menschliche Entwicklung gehen kann, ohne explizit einen von dieser potentiellen Wegen zu bevorzugen. In dem Gespräch mit Daniel Kahneman werden viele interessante, mögliche zukünftige Entwicklungen erörtert: Kampf gegen den Tot, Transhumanism (Mensch-Computer-Verbindung), Bedeutung der Massen und weitere Differenzierung von Reichen und Armen.
Besonders interessant fand ich die Überlegungen von Harari zu der Entstehung künstlicher Intelligenz und Ersetzung der Menschen in den Arbeitsprozessen. Harari meint, dass wir mit künstlicher Intelligenz die Intelligenz von dem Bewusstsein trennen. Ein Mensch besitz beides. Ein intelligentes Programm oder eine intelligente Maschine wird intelligent genug sein, um eine Arbeit zu erledigen, wird aber (noch sehr lange) kein Bewusstsein haben.

“The basic process is the decoupling of intelligence from consciousness. Throughout history, you always had the two together. If you wanted something intelligent, this something had to have consciousness at its basis. People were not familiar with anything not human, that didn’t have consciousness, that could be intelligent, that could solve problems like playing chess or driving a car or diagnosing disease.”

Intelligente Programme und Maschinen werden die Menschen in der Wirtschaft und Militär fast vollständig ersetzen. Somit wird auch die Macht der Massen, die ja für die Wirtschaft und Militär in der Vergangenheit sehr wichtig waren, verschwinden. Werden dann die Eliten komplett die Macht an sich reissen und die egalitären Entwicklungen der letzten Zeit stoppen? Was dann passiert weiß niemand, auch Harari nicht. Was werden die unnötigen Menschenmassen (für die Wirtschaft und Militär) dann tun? Harari fehlt nur Drogen und Computerspeile ein. Ein eher düsteres Bild.
Die Studie der Veränderungen in der Folge der Industrierevolution zeigt, dass nach so großen Umwälzungen Entwicklungen stattfinden, die vorher nicht bekannt waren. Es entstehen neue Berufe, Wirtschaftszweige, gesellschaftliche Strukturen und Organisationen. Vielleicht wird es auch diesmal der Fall sein.
Die größte unbekannte hier ist der Transhumanismus, also die Verbindung von Mensch und Maschine. Sobald es gelingt, wird die weitere Entwicklung extrem rasant voranschreiten. Es wird in eine Richtung gehen, die wir gar nicht erahnen können, weil es jenseits vor unserer derzeitigen Vorstellungskraft liegt. Das Produkt dieser Revolution wird der Mensch selbst sein:
“We’re basically learning to produce bodies and minds. Bodies and minds are going to be the two main products of the next wave of all these changes. And if there is a gap between those that know how to produce bodies and minds and those that do not, then this is far greater than anything we saw before in history.”
https://www.edge.org/conversation/yuval_noah_harari-daniel_kahneman-death-is-optional


Der Untergang der Nationalstaaten


Die Welt braucht dringend eine neue politische Weltordnung. Die jetzige Weltordnung, in der die politische Macht nur von den nationalen Staaten ausgeübt werden kann, funktioniert nicht mehr. Das Versprechen der Staaten, für den Wohl der Bürger zu sorgen, kann nicht mehr erfüllt werden. Die nationalen Staaten verlieren zunehmend die Kontrolle über Wirtschaft, Finanzen und vieles mehr. Die Globalisierung, angetrieben durch den rasanten technologischen Fortschritt, schafft neue Mächte, die sich im Rahmen der staatlichen Grenzen nicht mehr einschließen lassen.
In dieser Situation gibt es zwei mögliche Richtungen. Entweder können wir versuchen die Globalisierung zu stoppen und der Staat kann versuchen wieder die volle Kontrolle über die Wirtschaft, Geld und alle anderen Aspekte des Lebens zu erlangen. Oder wir können ein neues politisches Weltsystem etablieren, welches global wirkt.
Die Nostalgie nach den alten guten Zeiten lässt hoffen, dass der nationale Staat seine ehemalige Rolle wieder erfüllen kann. Viele Menschen denken so. Die populistischen Politiker verstärken natürlich diese Meinung und machen unglaubliche Versprechungen, die nur die Machtlosigkeit des Staates zudecken. Es ist aber mehr als fraglich, ob der nationale Staat wieder das Sagen in allen wirtschaftlichen und finanziellen Aspekten haben kann. Die großen Staaten, sogar Supermächte, sind heutzutage nicht mächtig genug, um wirklich die Lage voll zu beherrschen. Die kleinen oder ärmeren Staaten waren nie wirklich in der Lage eine eigenständige Politik zu betreiben. Gleichzeitig zeigt alleine die Geschwindigkeit der Entwicklung von Kryptowährungen das enorme zerreißende Potential der Technologie und Globalisierung.
In dieser Situation ist es wahrscheinlich viel sinnvoller zu versuchen, global-wirkende politische Strukturen zu bilden. Nur solche Strukturen können steuernd und regulativ die globale Wirtschaft und Finanz lenken. Globale Politik bedeutet, dass zumindest die folgenden drei wichtigen politische Aspekte adressiert werden müssen:

  • 1    Globale Regulation der Finanzwelt - Kontrolle der Geldflüsse und eine gerechte Besteuerung und Verteilung der Steuergelder
  • 2.     Globale flexible Demokratie - Klare Verhaltensregeln für die Staaten nicht nur im Bereich der Außenpolitik aber vor allen der Innenpolitik. Das bedeutet, dass wir die überstaatlichen Strukturen benötigen, die die Einhaltung der Regeln einfordern können. EU ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.
  • 3.     Neues Konzept der Staatsbürgerschaft - Staatsbürgerschaft in jetziger Form widerspricht dem Prinzip der Chancengleichheit. Manche von uns bekommen viel mehr Chancen alleine dadurch, das man in einem bestimmten Land geboren ist.
Rana Dasgupta, britisch-indischer Schriftsteller, stellt eben dieses Konzept in dem Guardian Artikel The demise of the nation state dar. Rana analysiert die derzeitige aussichtslose Situation der nationalen Staaten und entwirft eine Zukunftsperspektive. Rana ist es klar, dass diese Zukunftsideen noch etwas utopisch klingen. Er meint jedoch, dass das was wir mit der Technologie in letzten Dekaden geschafft haben, noch vor einiger Zeit auch als utopisch betrachtet war. Es ist aber jetzt unsere Wirklichkeit. Wir brauchen also mehr Vertrauen in unsere Möglichkeiten, die Welt neu zu organisieren.