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in 2 Tagen. Selten lese ich ein Buch bis zum Ende. Noch seltener gelingt es
mir, ein Buch in 2 oder 3 Tagen zu verschlingen. In letzter Zeit waren es nur 3
- „Konklave“ von Robert Harris und „Helix“ und „Zero“ von Marc Elsberg. Marc
Elsberg schreibt Thriller, die sich mit den Folgen moderner Technologien
befassen. In seinem Buch Helix beschreibt Marc Elsberg Genmanipulationen und
deren mögliche negativen Folgen. Zero ist dagegen der lückenlosen Überwachung,
Sammlung und Ausnutzung privater Benutzerdaten und Beeinflussung des Menschen
durch künstliche Intelligenz gewidmet. Marc Elsberg mischt diese Themen
geschickt zusammen und verpackt sie in einen spannenden Thriller. Der Leser
dieses Buches erfährt vieles über die aktuellen Möglichkeiten der digitalen
Technologie und wird dabei gut unterhalten. Das Rezept von Marc Elsberg, auf
eine unterhaltsame Art und Weise die Gefahren neuer Technologien aufzuzeigen,
ermöglicht ihm eine breitere Leserschaft anzusprechen. Viele Leser von Zero
werden sich wahrscheinlich nur ungern Vorträge von Wissenschaftlern anschauen,
die vor den negativen Folgen der neuen Technologien warnen. Ein spannender Thriller,
der dieselbe Warnung sehr plastisch darstellt, ist eine viel angenehmere Art,
sich mit diesem Thema zu auseinanderzusetzen.
Was droht
uns also demnächst? Marc Elsberg skizziert eine nahe Zukunft der totalen
Überwachung. Alle Menschen werden durch die staatlichen Akteure rund um die Uhr
überwacht. Unzählige Kameras in den Städten (auf die sich Geheimdienste
problemlos Zugriff verschaffen) folgen uns auf Schritt und Tritt. Unsere
Smartphones und soziale Medien liefern weitere unzählige Informationen über
uns. Diese Fülle an Information kann kein Mensch mehr sinnvoll verarbeiten und
auswerten. Die echte Gefahr sind die intelligenten Algorithmen, die blitzartig
diese Flut an Information über uns sortierten, analysieren und nach definiertem
Muster auswerten können.
Es gibt
auch weitere Akteure, die Zugriff auf diese Information haben und sie für
eigene Interessen nutzen können. In Gegensatz zu Geheimdiensten, die sich den
Zugriff auf diese Information ohne um Erlaubnis verschaffen können, fragen uns
meistens die Betreiber sozialer Netzwerke oder anderer Dienste, ob wir mit der
Verarbeitung unserer Daten einverstanden sind. Sehr viele von uns stimmen zu,
weil man die Apps als nützlich betrachtet. Was dann wirklich mit unseren Daten
passiert ist hinter dem Schleier der üblichen Floskeln des Betreibers
versteckt. Wie z.B. „Wir verarbeiten Ihre Daten mit besonderer Sorgfalt und
schützen sie vor den unbefugten Zugriff durch Dritte“.
Benutzer
können diesen Behauptungen nun vertrauen oder auch nicht. Wir haben so gut wie
keine Möglichkeit diese Aussagen zu kontrollieren oder zu überprüfen, was
wirklich mit unseren Daten gemacht wird und wie sie tatsächlich gegen den
Zugriff durch unbefugte Dritte (z.B. staatliche Organisationen) geschützt sind.
Ein Schritt in die richtige Richtung sind gesetzliche Auflagen für die
Verarbeitung von personenbezogenen Daten, wie unter anderem die DSGVO. Dieses
Gesetz gibt uns das Recht über die Verarbeitung personenbezogener Daten zu
entscheiden. Leider stehen wir mit unserem Recht ziemlich allein den
übermächtigen Internet-Konzernen gegenüber und haben kaum Chancen unser Recht
gegen die Interessen dieser Konzerne durchzusetzen.
Inzwischen
sogar die US-Amerikaner sind besorgt über die ausufernde Überwachung. New York
Times hat herausgefunden, dass man sogar die anonymen Bewegungsdaten (GPS) sehr
einer konkreten Person zuordnen kann. New
York Times beschreibt die aktuelle Situation sehr treffend:
„We are living in the world’s
most advanced surveillance system. This system wasn’t created deliberately. It
was built through the interplay of technological advance and the profit motive.
It was built to make money. The greatest trick technology companies ever played
was persuading society to surveil itself.“
Marc
Elsberg beschreibt noch eine andere Art der totalen Überwachung. Es sind die
vielen Benutzer der sozialen Netzwerke oder anderer Internetdienste, die uns
Folgen und in manchen Fällen auch denunzieren können. Mit der Verbreitung von
Gesichtserkennung und Augmented Reality - d.h. intelligenter Brillen, welche
Informationen über Objekte liefern, die wir gerade betrachten - kann jeder
Nutzer dieser Technologien zu einem potentiellen Überwacher werden. Jederzeit
werden wir im öffentlichen Raum durch unzählige private und behördliche Kameras
überwacht. Aber auch jeder Passant mit einer intelligenten Brille kann aktiv
Informationen sammeln und sie automatisch auswerten. Somit wird jeder von uns
durch ein Netzwerk von Menschen überwacht, ohne es zu wissen.
Eine
weitere Herausforderung stellen die intelligenten Apps dar. Solche Apps sammeln
Unmengen an Daten über uns und werten sie aus. Sie können uns sehr nützliche
Vorschläge für unser Leben liefern, z.B. über unsere Gesundheit oder Fitness.
Da solche Apps sehr viel über unsere Emotionen, Vorlieben und Neigungen wissen,
sind sie auch imstande unser Verhalten vorherzusagen. Das heißt sie können mit
bestimmter Wahrscheinlich berechnen, wie wir uns in gewissen Situationen
verhalten werden. Mit diesem Wissen können sie aber auch sehr leicht unser
Verhalten manipulieren. Auch hier wissen wir nicht, wie die Algorithmen, die
uns die hilfreichen Ratschläge geben, funktionieren. Die Betreiber liefern
keine Informationen darüber und behaupten, es sei ihr geistliches Eigentum.
Intelligente
Apps, Augmented Reality, Künstliche Intelligenz und eine Unmenge von diversen
Sensoren sind neue Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Diese
Technologien können uns in sehr vielen Aspekten helfen unser Leben zu
verbessern. Sie können aber auch gegen uns verwendet werden. Entweder durch
diktatorische Regime oder gierige Unternehmen, die uns mehr oder weniger
versklaven. Yuval
Harari, der vor Technologien warnt, die den Menschen hacken können, zeigt
folgendes Horrorszenario. Stellen sie sich vor, dass Nordkorea über eine
Technologie verfügt, die Ihre Emotionen kontrollieren kann. Diese Technologie
misst, ob Ihre Begeisterung während der Ansprache des „geliebten“ Führers
wirklich echt ist oder nur gespielt. Wenn die App erkennt, dass sie nur
äußerlich die Zustimmung zeigen, ist die Überweisung in ein Umerziehungslager
schon in die Wege geleitet. Eine solche Technologie wird schon bald Realität
werden. Ein schreckliches Szenario, das sogar Orwell's Vorstellung im „1984“
bei weitem übertrifft.
Was sollen
wir in dieser Situation tun? Verzichten kann man auf die Nutzung moderner
Technologien in einer Ära der Digitalisierung kaum. Den Fortschritt zu stoppen
ist auch nicht mehr möglich. Michal Kosinski, Professor an der Stanford Universität, meint,
dass unsere Privatsphäre schon verloren ist. Michal Kosinski zeigt,
dass schon mit einigen wenigen „Likes“ künstliche Intelligenz sehr genaue Einschätzung
einer Person möglich macht.
Es gibt
keine Chance, die Unmengen privater Information, die überall über uns
gesammelt werden, zu stoppen. Wir müssen uns also darauf konzentrieren,
was mit diesen Daten passiert und wie sie verarbeitet werden. Wir müssen
Betreiber zwingen, ihre Algorithmen und Verarbeitungsmethoden transparent zu
machen. Wir müssen kontrollieren, was hinter dem Vorhang mit unseren Daten
geschieht. Das können wir nur durch öffentlichen Druck und Regulierung
erreichen. Ja, digitale Wirtschaft muss reguliert werden so wie die
Lebensmittel oder Pharmaindustrie. Regulierungsorgane müssen Auflagen
definieren, an die sich die Verarbeitung unserer Daten zu richten hat. Diese
Organe müssen auch das Recht erhalten, wirkliche Kontrollen durchzuführen.
In
Deutschland aber auch innerhalb der EU gibt schon eine ernsthafte Diskussion
über solche regulativen Maßnahmen. Ein Konzept einer „vertrauenswürdiger
KI“ wird skizziert. Paul Nemitz, Chefberater der Generaldirektion für Recht
und Verbraucherschutz bei der Brüsseler Regierungseinrichtung sprach vor kurzem
auf einem Symposium der
Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern zum Thema "Künstliche
Intelligenz über dem geplanten Weißbuchs
der EU-Kommission für einen KI-Rahmen.
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