Totale Überwachung
483 Seiten
in 2 Tagen. Selten lese ich ein Buch bis zum Ende. Noch seltener gelingt es
mir, ein Buch in 2 oder 3 Tagen zu verschlingen. In letzter Zeit waren es nur 3
- „Konklave“ von Robert Harris und „Helix“ und „Zero“ von Marc Elsberg. Marc
Elsberg schreibt Thriller, die sich mit den Folgen moderner Technologien
befassen. In seinem Buch Helix beschreibt Marc Elsberg Genmanipulationen und
deren mögliche negativen Folgen. Zero ist dagegen der lückenlosen Überwachung,
Sammlung und Ausnutzung privater Benutzerdaten und Beeinflussung des Menschen
durch künstliche Intelligenz gewidmet. Marc Elsberg mischt diese Themen
geschickt zusammen und verpackt sie in einen spannenden Thriller. Der Leser
dieses Buches erfährt vieles über die aktuellen Möglichkeiten der digitalen
Technologie und wird dabei gut unterhalten. Das Rezept von Marc Elsberg, auf
eine unterhaltsame Art und Weise die Gefahren neuer Technologien aufzuzeigen,
ermöglicht ihm eine breitere Leserschaft anzusprechen. Viele Leser von Zero
werden sich wahrscheinlich nur ungern Vorträge von Wissenschaftlern anschauen,
die vor den negativen Folgen der neuen Technologien warnen. Ein spannender Thriller,
der dieselbe Warnung sehr plastisch darstellt, ist eine viel angenehmere Art,
sich mit diesem Thema zu auseinanderzusetzen.
Was droht
uns also demnächst? Marc Elsberg skizziert eine nahe Zukunft der totalen
Überwachung. Alle Menschen werden durch die staatlichen Akteure rund um die Uhr
überwacht. Unzählige Kameras in den Städten (auf die sich Geheimdienste
problemlos Zugriff verschaffen) folgen uns auf Schritt und Tritt. Unsere
Smartphones und soziale Medien liefern weitere unzählige Informationen über
uns. Diese Fülle an Information kann kein Mensch mehr sinnvoll verarbeiten und
auswerten. Die echte Gefahr sind die intelligenten Algorithmen, die blitzartig
diese Flut an Information über uns sortierten, analysieren und nach definiertem
Muster auswerten können.
Es gibt
auch weitere Akteure, die Zugriff auf diese Information haben und sie für
eigene Interessen nutzen können. In Gegensatz zu Geheimdiensten, die sich den
Zugriff auf diese Information ohne um Erlaubnis verschaffen können, fragen uns
meistens die Betreiber sozialer Netzwerke oder anderer Dienste, ob wir mit der
Verarbeitung unserer Daten einverstanden sind. Sehr viele von uns stimmen zu,
weil man die Apps als nützlich betrachtet. Was dann wirklich mit unseren Daten
passiert ist hinter dem Schleier der üblichen Floskeln des Betreibers
versteckt. Wie z.B. „Wir verarbeiten Ihre Daten mit besonderer Sorgfalt und
schützen sie vor den unbefugten Zugriff durch Dritte“.
Benutzer
können diesen Behauptungen nun vertrauen oder auch nicht. Wir haben so gut wie
keine Möglichkeit diese Aussagen zu kontrollieren oder zu überprüfen, was
wirklich mit unseren Daten gemacht wird und wie sie tatsächlich gegen den
Zugriff durch unbefugte Dritte (z.B. staatliche Organisationen) geschützt sind.
Ein Schritt in die richtige Richtung sind gesetzliche Auflagen für die
Verarbeitung von personenbezogenen Daten, wie unter anderem die DSGVO. Dieses
Gesetz gibt uns das Recht über die Verarbeitung personenbezogener Daten zu
entscheiden. Leider stehen wir mit unserem Recht ziemlich allein den
übermächtigen Internet-Konzernen gegenüber und haben kaum Chancen unser Recht
gegen die Interessen dieser Konzerne durchzusetzen.
Inzwischen
sogar die US-Amerikaner sind besorgt über die ausufernde Überwachung. New York
Times hat herausgefunden, dass man sogar die anonymen Bewegungsdaten (GPS) sehr
einer konkreten Person zuordnen kann. New
York Times beschreibt die aktuelle Situation sehr treffend:
„We are living in the world’s
most advanced surveillance system. This system wasn’t created deliberately. It
was built through the interplay of technological advance and the profit motive.
It was built to make money. The greatest trick technology companies ever played
was persuading society to surveil itself.“
Marc
Elsberg beschreibt noch eine andere Art der totalen Überwachung. Es sind die
vielen Benutzer der sozialen Netzwerke oder anderer Internetdienste, die uns
Folgen und in manchen Fällen auch denunzieren können. Mit der Verbreitung von
Gesichtserkennung und Augmented Reality - d.h. intelligenter Brillen, welche
Informationen über Objekte liefern, die wir gerade betrachten - kann jeder
Nutzer dieser Technologien zu einem potentiellen Überwacher werden. Jederzeit
werden wir im öffentlichen Raum durch unzählige private und behördliche Kameras
überwacht. Aber auch jeder Passant mit einer intelligenten Brille kann aktiv
Informationen sammeln und sie automatisch auswerten. Somit wird jeder von uns
durch ein Netzwerk von Menschen überwacht, ohne es zu wissen.
Eine
weitere Herausforderung stellen die intelligenten Apps dar. Solche Apps sammeln
Unmengen an Daten über uns und werten sie aus. Sie können uns sehr nützliche
Vorschläge für unser Leben liefern, z.B. über unsere Gesundheit oder Fitness.
Da solche Apps sehr viel über unsere Emotionen, Vorlieben und Neigungen wissen,
sind sie auch imstande unser Verhalten vorherzusagen. Das heißt sie können mit
bestimmter Wahrscheinlich berechnen, wie wir uns in gewissen Situationen
verhalten werden. Mit diesem Wissen können sie aber auch sehr leicht unser
Verhalten manipulieren. Auch hier wissen wir nicht, wie die Algorithmen, die
uns die hilfreichen Ratschläge geben, funktionieren. Die Betreiber liefern
keine Informationen darüber und behaupten, es sei ihr geistliches Eigentum.
Intelligente
Apps, Augmented Reality, Künstliche Intelligenz und eine Unmenge von diversen
Sensoren sind neue Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Diese
Technologien können uns in sehr vielen Aspekten helfen unser Leben zu
verbessern. Sie können aber auch gegen uns verwendet werden. Entweder durch
diktatorische Regime oder gierige Unternehmen, die uns mehr oder weniger
versklaven. Yuval
Harari, der vor Technologien warnt, die den Menschen hacken können, zeigt
folgendes Horrorszenario. Stellen sie sich vor, dass Nordkorea über eine
Technologie verfügt, die Ihre Emotionen kontrollieren kann. Diese Technologie
misst, ob Ihre Begeisterung während der Ansprache des „geliebten“ Führers
wirklich echt ist oder nur gespielt. Wenn die App erkennt, dass sie nur
äußerlich die Zustimmung zeigen, ist die Überweisung in ein Umerziehungslager
schon in die Wege geleitet. Eine solche Technologie wird schon bald Realität
werden. Ein schreckliches Szenario, das sogar Orwell's Vorstellung im „1984“
bei weitem übertrifft.
Was sollen
wir in dieser Situation tun? Verzichten kann man auf die Nutzung moderner
Technologien in einer Ära der Digitalisierung kaum. Den Fortschritt zu stoppen
ist auch nicht mehr möglich. Michal Kosinski, Professor an der Stanford Universität, meint,
dass unsere Privatsphäre schon verloren ist. Michal Kosinski zeigt,
dass schon mit einigen wenigen „Likes“ künstliche Intelligenz sehr genaue Einschätzung
einer Person möglich macht.
Es gibt
keine Chance, die Unmengen privater Information, die überall über uns
gesammelt werden, zu stoppen. Wir müssen uns also darauf konzentrieren,
was mit diesen Daten passiert und wie sie verarbeitet werden. Wir müssen
Betreiber zwingen, ihre Algorithmen und Verarbeitungsmethoden transparent zu
machen. Wir müssen kontrollieren, was hinter dem Vorhang mit unseren Daten
geschieht. Das können wir nur durch öffentlichen Druck und Regulierung
erreichen. Ja, digitale Wirtschaft muss reguliert werden so wie die
Lebensmittel oder Pharmaindustrie. Regulierungsorgane müssen Auflagen
definieren, an die sich die Verarbeitung unserer Daten zu richten hat. Diese
Organe müssen auch das Recht erhalten, wirkliche Kontrollen durchzuführen.
In
Deutschland aber auch innerhalb der EU gibt schon eine ernsthafte Diskussion
über solche regulativen Maßnahmen. Ein Konzept einer „vertrauenswürdiger
KI“ wird skizziert. Paul Nemitz, Chefberater der Generaldirektion für Recht
und Verbraucherschutz bei der Brüsseler Regierungseinrichtung sprach vor kurzem
auf einem Symposium der
Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern zum Thema "Künstliche
Intelligenz über dem geplanten Weißbuchs
der EU-Kommission für einen KI-Rahmen.
Cyberattacke zwingt ein Unternehmen zum Konkurs
Unternehmen, die Opfer einer Cyber-Attacke wurden oder von Ramson befallen wurden, müssen nicht nur mit lang daurdenden Unterbrechungen des Betriebes und hohen Kosten der Abwehr und Behebung der Angriffsfolgen rechnen. Ein Angriff kann auch zum Schließen des Unternehmens führen. Diese für die Existenz eines Unternehmens gravierende Folgen berechtigten sehr wohl sinnvolle Investitionen in die präventiven und aufdeckenden Sicherheitsmaßnahmen. Für kleinere Unternehmen ist das Outsourcing der Security Prävention un Detection an einen professionellen Manage Security Service Anbieter wahrscheinlich die beste Lösung.
https://www.zdnet.com/article/company-shuts-down-because-of-ransomware-leaves-300-without-jobs-just-before-holidays/
Auto der Zukunft wird nach dem Prinzip "More from Less" gebaut
Ein wirklich schönes Konzept des
Ressourcen-schonenden Autos hat Mercedes
präsentiert bei CES 2020. Mercedes will
im Jahr 2039 Autos herstellen, die vollständig Ressourcen-neutral sind. Dieses
Ziel liegt noch recht weit in der Zukunft. So gesehen ist es eher eine Vision.
Mercedes machte aber diese Vision viel konkreter mit den klar definierten
Zwischenzielen, bei denen eine konkrete Reduktion bis auf 40% geplant ist. Das
macht diese großartige Vision recht realistisch.
Die Idee dahinten ist, dass das Auto der
Zukunft nicht nur bei der Nutzung CO2-neutral ist. Auch bei der Herstellung des
Autos sollen so gut wie keine Ressourcen verbraucht werden. Mercedes will die
Menge von Wasser und allen anderen Materialen, die für Erzeugung eines Autos
notwendig sind, dramatisch reduzieren. Dazu werden neue Herstellungsmethoden
aber auch Rohstoffe benötigt. Grundsteine dieser Idee sind drei "R"
- Reduce, Recycle, Reuse. Das Unternehmen wird mit neunen
Produktionsmethoden die Menge, der für die Herstellung eines Autos benötigten
Rohstoffe reduzieren - Reduce. Gleichzeitig sollte das Auto so gebaut werden,
dass einzelne Bauteile wieder für neue Autos oder für andere Zwecke benutzt
werden können - Reuse. Das was dann übrig bleibt sollte leicht
entsorgbar sein. Der aus Schweden stammende CEO von Mercedes erwähnt hier sogar
gänzlich neuartige Batterien, die aus organischen Stoffen hergestellt werden. Diese
Batterien können dann einfach kompostiert werden - Recycle.
Es ist eine absolut tolle Idee, die leider
durch die Präsentation des futuristischen Avatar-Autos kaum Aufmerksamkeit
bekam. Ich halte sie jedoch als wichtiger Beitrag für die Lösung vieler unserer
derzeitigen Probleme. Eine Technologie, die ermöglicht, mehr zu produzieren und
das mit weniger Ressourcen, wird die Umwelt weniger belasten und womöglich uns
auch helfen, die Klima-Katastrophe abzuwenden.
Über solche Technologien wird derzeit nicht
nur bei Mercedes nachgedacht. In vielen Fällen gibt es schon heute sparsame
Technologien. Andrew McAfee, Co-Autor des
Buches "The Second Machine
Age" beschreibt diese Entwicklung in seinem neuen Buch "More from less".
Andrew McAfee zeigt den enormen Einfluss, welchen
Technologie auf unseren Leben in letzten 200 Jahre gehabt hat. Dank dem technologischen
Fortschritt hat die Menschheit viele Krankheiten, Armut und andere Probleme aus
der Vergangenheit beseitigt. Technologie hat einen nie dagewesenen Wohlstand
für so viele geschaffen. Die Schattenseite dieser Entwicklung war der starke
Verbrauch der Naturressourcen und negative Auswirkung auf Umwelt und Klima.
Damit ist jetzt Schluss, behauptet Andrew McAfee. In letzten Jahren kann die westliche Wirtschaft
mehr produzieren und dabei weniger verbrauchen als früher:
"In
recent years we’ve seen a different pattern emerge: the pattern of more from
less. In America—a large, rich country that accounts for about 25 percent of
the global economy—we’re now generally using less of most resources year after
year, even as our economy and population continue to grow. What’s more, we’re
also polluting the air and water less, emitting fewer greenhouse gases, and
seeing population increases in many animals that had almost vanished. America,
in short, is post-peak in its exploitation of the earth. The situation is
similar in many other rich countries, and even developing countries such as
China are now taking better care of the planet in important ways."
Neben Fortschritt in der
Technologie sind Kapitalismus (produziere immer mehr zu geringeren Kosten),
öffentliches Bewusstsein und reaktionsfähige Regierungen die 4 Grundlagen
dieser positiven Entwicklung. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die
Fähigkeit mehr zu produzieren und weniger Ressourcen zu verbrauchen hilft, die
Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Das allein ist aber zu wenig, um
grundlegende Herausforderungen wie Klima-Katastrophe zu meistern.
Künstliche Intelligenz schafft mehr Jobs als sie vernichtet
Noch eine optimistische Stimme über unsere Zukunft. Byron Reese, der das
Buch "Infinite Progress" geschrieben hat, behauptet, dass die Künstliche Intelligenz mehr
Jobs generieren wird als sie vernichtet. Seine These stützt Byron Reese auf
der Analyse der bisherigen Geschichte der Technologie. Neue Technologien haben
zwar immer viele alte Jobs obsolet gemacht. Sie haben aber gleichzeitig viele neue
Jobs kreiert. Wir können uns gar nicht in voraus vorstellen, welche neue
Möglichkeiten neue Technologien schaffen. Erst danach sehen wir, welch enorme
positive Wirkung für uns alle diese neuen Technologien hatten und wie viele
neue Unternehmen und Jobs dank der neuen Technologie entstanden sind. Die
neuesten Entwicklungen, wie z.B. Internet beweisen es:
„The obvious changes did
occur. But a slew of unexpected changes happened as well.
We got thousands of new companies worth trillions of dollars. We bettered the
lot of virtually everyone on the planet touched by the technology. Dozens of new careers
emerged, from web designer to data scientist to online
marketer. The cost of starting a business with worldwide reach plummeted, and
the cost of communicating with customers and leads went to nearly zero. Vast
storehouses of information were made freely available and used by entrepreneurs
around the globe to build new kinds of businesses.“
Byron Reese erwartet also, dass Künstliche Intelligenz eine ähnliche
Auswirkung haben wird. Etliche Jobs werden durch Automatisierung nicht mehr
benötigt. Gleichzeitig schafft AI ganz neue Möglichkeiten, Geschäfte zu machen.
Die menschliche Mitwirkung wird nach wie vor wichtig und eine Fülle an neuen
Jobs wird entstehen.
Ich kann mich durchaus vorstellen, dass die von Byron Reese
vorgestellten Szenarien sich auch bewahrheiten. Leider beschäftigt er sich
nicht mit dem Tempo der Veränderungen. Menschen sind fähig, sich an neue
Situation anzupassen, wenn die Veränderung relativ langsam stattfindet. Wir
erwarten aber mit AI eine Beschleunigung der Veränderung. Die entscheidende
Frage ist, ob alle ausreichend schnell sich dann umstellen werden können.
Die beste Dekade in der Geschichte der Menscheit
Es gibt sie noch, die Optimisten. Es gibt noch Wissenschaftler,
Journalisten und Technikenthusiasten, die trotz der weit-verbreiteter Meinung,
dass alles zunehmend schlechter wird, nicht aufhören wollen zu behaupten, dass
die Welt stetig besser wird.
Manche von Ihnen arbeiten sehr stark mit Statistiken und zeigen damit
wie alle Aspekte unseres Lebens sich kontinuierlich verbessern. Steven Pinker
zeigt in seinem Buch „Aufklärung“ wie
die Wissenschaft und Säkularisierung zu der wichtigsten Kraft der positiven Veränderung
wurde.
Noch stärker in den Statistiken verliebt war Hans Rosling. In seinem
Buch „Facfullness“
zeigte er anhand von sehr vielen Statistiken wie sich unseres Leben in letzten
hundert Jahren verbessert hat. Alle möglichen Statistiken über Lebensdauer,
Armut, Bildung, Bekämpfung der Krankheiten, Gewalt usw. zeigen, dass wir in
einer der besten Zeitperioden der Menschengeschichte leben.
Peter Diamandis kennt natürlich den Grund dieser positiven Entwicklung.
Es ist die Technologie wie man in seinen Blog-Beiträgen nachlesen
kann. Enormer Fortschritt der Technologie ermöglicht die Lösung sehr vielen
Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Ein Nebeneffekt dieser
Entwicklung ist die massive Verbilligung der Produktion.
Matt Ridley, der Verfasser des Buches „The
Rational Optimist“, ist der Meinung, dass die zweite Dekade dieses
Jahrhunderts die Beste in der Geschichte der Menschheit ist. In seinem Blog schreibt
Matt Ridley, dass der Lebensstandard der meisten Menschen sich stark verbessert
hat, dass immer weniger Menschen im Armut leben und hungrig sind. Viele der bis
vor kurzem gefährlichen Krankheiten wurden ausgerottet.
Noch interessanter ist der Trend zur Reduktion der Menge der Stoffe, die
für die Erzeugung der Produkte benutzt werden. Trotz der Steigerung der
Produktion werden erstes Mal in der Geschichte weniger Materialen wie Wasser,
Rohstoffe und sogar Energie dafür benötigt. Matt nennt diesen Trend „Do more
with less“.
Die Optimisten sind der Meinung, dass diese viele Fakten eindeutig
belegen, dass die Menschheit in der Lage ist, mit Hilfe der Technologie viele
Herausforderungen zu meistern und eine bessere Welt für alle zu schaffen.
Man könnte fragen, warum angesichts dieser Fakten unsere tägliche
Wahrnehmung eher negativ ist. Warum sehen wir eher mehr Probleme als weniger
und warum sehr viele von uns glauben, dass die Welt in der Vergangenheit eine bessere
war? Schuld daran ist erstens unsere Konzentration auf die Gefahren. Menschen
sind konditioniert, Gefahren und Bedrohungen stark zu beachten. Die guten
Errungenschaften nehmen wir als selbstverständlich nicht explizit wahr. Zweiter
Grund dieser schiefen negativen Wahrnehmung sind die Medien. Medien
funktionieren leider nach dem Motto „Good news is no news“ und berichten nur
über negative Vorkommnisse und alle möglichen Bedrohungen.
Das führt natürlich zu einer verzerrten, unrealistischen Sicht der
Entwicklung. Man muss froh sein, dass es noch etliche Optimisten gibt, die uns
eine positivere, fakten-basierende Sicht der Lage präsentieren und uns vor dem
Verfall in bodenlose Traurigkeit bewahren.
Zero Trust ist einer der wichtigsten Prinzipien der modernen Sicherheit
Der im Artikel Dr. Datenleck (C‘T Ausgabe 25, 2019 - https://www.heise.de/select/ct/2019/25/1575649819093453) beschriebener Fall der Kompromittierung der hoch sensiblen Daten von ca 30.000 Patienten zeigt deutlich, wie wichtig die ständige Überprüfung der Sicherheitseinstellungen ist. Bei dem konkreten Fall handelt es sich um Daten der Patienten einer Arztpraxis, die für alle aus Internet eine zeit lang offen zugänglich waren. Der Server, auf dem die Daten gespeichert worden sind, sollte nur über Port 443 aus Internet erreichbar sein. Der Server war jedoch über Ports 440 bis 449 erreichbar. Damit war die SMB Schnittstelle des Servers offen aus Internet zugänglich. Nach dem Hinweis der Redaktion hat der zuständige IT-Techniker die Konfiguration des Routers korrigiert. Für die Arztpraxis und den IT-Techniker war somit der Fall erledigt. Die C‘T Redakteure haben nach einigen Tagen wiederholt die Einstellung überprüft und stellten fest, dass auf die Daten auf dem Server wieder jeder aus Internet zugreifen kann. Nach weiterer Recherche fand man heraus, dass das Problem auf einen Fehler in der Firmware des Routers zurückzuführen ist.
Dieser Fall ist typisch. Sehr oft
werden präventive Sicherheitsmaßnahmen etabliert und im besten Fall gleich nach
dem Aufsetzen nur einmal getestet. Man nimmt an, dass diese Maßnahmen dann
immer richtig wirken. Das ist leider sehr oft nicht der Fall. Das zeigt der
gerade beschriebene Vorfall sehr deutlich.
Was kann in solchen Fällen helfen?
Was muss man tun, um das Risiko des Datenverlustes zu minimieren?
Man muss bei der Einrichtung der präventiven
Maßnahmen immer das „Zero Trust“ Prinzip anwenden. Man muss also davon
ausgehen, dass unter gewissen Umständen unsere Prävention versagt und nicht
mehr richtig funktioniert. Man muss neben den präventiven Maßnahmen sofort auch
entsprechende Überwachung einrichten. Ziel dieser Überwachung ist die
ständige Überprüfung der Wirksamkeit der eingesetzten präventiven Kontrollen.
In dem geschilderten Fall muss man zumindest ständig Portscans machen und
alarmieren, falls unnötige offene Ports gefunden werden.
Ähnliche Situation betrifft auch zum
Beispiel das Patching von Sicherheitsschwachstellen. Sehr viele Unternehmen
patchen ihre IT-Systeme nur teilweise. Es werden Patches nur für bestimmte
Software-Produkte (sehr oft nur Produkte von Microsoft, weil diese in SCCM voll
integriert sind) eingespielt. Noch immer wird viel zu selten überprüft, ob alle
diese Patches tatsächlich auf allen IT-Systemen des Unternehmens richtig
installiert sind. Auch hier muss man das Prinzip „Zero Trust“ anwenden und mit
einem Vulnerabilty Scanner alle IT-Systeme auf fehlende Sicherheitspatches
überprüfen. Die Erkennung der Sicherheitsschwachstellen sollte erstens ständig
„continuous“ erfolgen und mit einem Risiko Assessment verknüpft sein.
Continuous Vulnerability Assessment ist ein Teil von CARTA (Continuous Adaptive
Risk and Trust Assessment), einen modernen, von Gartner vorgestellten Konzept.
Es ist eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen, welche CISO in nächster Zeit
im Unternehmen umsetzen muss:
“If you can do only two things in 2019, implement an intelligent, CARTA-inspired approach to vulnerability management project and MFA for admins.” –Brian Reed, Gartner Analyst
Der geschilderte Verlust der Daten
von 30.000 Patienten, zeigt deutlich wie wichtig die Befolgung des „Zero Trust“
Prinzip ist und mit welchen Konsequenzen Unternehmen zu rechnen haben - hohe
Strafen für die Verletzung von DSGVO.
Hacking Humans - Yuval Harari spricht über Gefahren, die neue Technologien mit sich bringen
Yuval Harari, der berühmte Geschichtsprofessor, spricht in diesem Talk ( https://www.wired.com/…/yuval-harari-tristan-harris-humans-… ) über die Gefahr, die neue Technologien für die Menschen darstellen. Yuval Harari sieht die Gefahr massiver, für sie Menschen unsichtbarer Manipulationen, die dank der künstlichen Intelligenz (KI) bald möglich sein wird. Harari meint, dass wir uns dem Punkt nähern, in dem die KI-Technologie uns besser verstehen wird als wir uns selbst. Das wird privaten Unternehmen aber auch Regierungen ermöglichen, gewünschte unbemerkbare Veränderung unseres Verhalten zu bewirken.
Es ist nichts neues in der Tatsache, dass unterschiedliche Organisationen, Interessengruppen oder einfach andere Menschen uns versuchen, zu beeinflussen. Jeden Tag sind wir einer Unmenge der Informationen ausgesetzt, die unseres Kaufverhalten, politische Meinung und vieles mehr lenken möchte.
Wir glauben etwas naiv, dass wir alle diese Informationen analysieren können und in Ruhe unsere Entscheidung treffen. Wir glauben, dass wir ganz unabhängig in der Meinungsbildung sind. Das stimmt es aber nicht. Wir wurden schon in der Kindheit durch unsere Eltern, Familie und nahe Bekannten massiv geprägt (nur so kann man erklären, warum die Mehrheit von uns die Religion der Eltern und einige anderen Überzeugungen übernimmt) und im Laufe der Zeit geht diese Beeinflussung weiter durch die viele speziell vorbereitete, meistens recht emotionale Botschaften, die an uns gerichtet sind.
Was bis jetzt aber noch nicht gab, ist die gezielte individuelle Manipulation durch Information, die für jede und jeden extra angepasst ist. Diese absolut individuelle, auf die Person angepasste Manipulation wird mit Hilfe von KI und Big Data demnächst möglich sein. KI wird alle möglichen Informationen über uns sammeln und auswerten. KI wird genau wissen wie wir auf bestimmte Reize reagieren, was wir mögen und was nicht. KI wird es viel besser wissen als wir selbst. Somit wird die Manipulation möglich sein, die unter unserer Wahrnehmung liegen wird. AI wird uns so beeinflussen, dass wir diese Manipulation gar nicht merken.
Das ist eine große Gefahr, mit der wir uns jetzt intensiv auseinandersetzen müssen. Man muss natürlich auch die positive Seite dieser Technologie erwähnen. Im Interesse von uns kann KI uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Wie immer bei der Technologie kann nicht sagen, ob sie gut oder schlecht ist. Alles hängt davon ab, wie und wofür sie verwendet wird.
Der Einfluss der KI auf uns, Menschen, wird so gewaltig sein, dass wir sinnvolle Regeln für die Anwendung von AI sehr rash erstellen müssen. Man kann die Ausrichtung und Nutzung von KI in keinem Fall den privaten Unternehmen alleine überlassen. Auch der Einsatz der KI durch staatliche Organisationen sollte einer gesellschaftlichen Kontrolle unterstellt werden. Das wichtigste Ziel bei Einsatz und Weiterentwicklung von KI sollte das Wohl der Menschen sein. KI darf nur dann für partikuläre Ziele der privaten Unternehmen oder stattlichen Organisationen genutzt werden, wenn dieser Einsatz nicht im Widerspruch mit dem obersten Ziel - Wohl der Menschen - steht. Amy Webb schreibt in Ihrem Buch "Die großen Neun" darüber so:
"Wir brauchen „eine klar formulierte Erklärung, dass die Menschheit im Mittelpunkt der KI-Entwicklung stehen und sich alle künftigen Bestrebungen auf die Verbesserung Ihrer Lebensumstände richten sollen“
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